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Dissertationsprojekte

FRIAS-Projekt

Globale Transformationen des Katholizismus.
Pluralitätsstrategien – Rollenmodelle – Gottesfragen

In diesen Jahrzehnten verändert sie sich so stark wie selten zuvor in ihrer zweitausendjährigen Geschichte: Die katholische Kirche. Mit dem rasanten Wachstum ihrer Mitgliederzahlen einerseits und der völlig neuartigen weltweiten Verteilung dieser Mitglieder andererseits wurde seit Beginn des 20. Jahrhunderts eine Bewegung ausgelöst, die von einer im Denken und Handeln eurozentrischen Kirche hin zu einer polyzentrischen Weltkirche führt. Allein zwischen 1960 und 2013 wuchs ihre Mitgliederzahl von 600 Mio. auf 1,2 Mrd. Von diesen leben 39 Prozent in Lateinamerika, 24 Prozent in Europa, 16 Prozent im Afrika südlich der Sahara, elf Prozent in Asien und knapp ein Prozent in Australien und Ozeanien. Diese Entwicklung hatte der berühmte Theologe Karl Rahner bereits Mitte des letzten Jahrhunderts als eine historische Zäsur gedeutet, die in der Kirchengeschichte nur ein Vorbild habe: den mit einer fundamentalen Neuorientierung verbundenen Übergang vom Judenchristentum zum Heidenchristentum im ersten und zweiten Jahrhundert.

Weiterführende Informationen zum FRIAS-Projekt

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Die Nachwuchsforschergruppe Bernhard Spielberg (v.l.n.r.): Anna-Maria Müller, Simon J. Ruscher, Franziska Seidler
 

Das Projekt „Globale Transformationen des Katholizismus“ untersucht, wie die veränderte religiöse Weltkarte auch das Denken und Handeln der Organisation selbst verändert. Dies geschieht im Blick auf drei bedeutsame Phänomene, die von drei Promovend*innen untersucht werden:

In einem ersten Teilprojekt untersucht Simon J. Ruscher Pluralitätsstrategien in US-amerikanischen Gemeinden. Dabei geht es um Antworten auf die Frage, wie diese mit der kulturellen Heterogenität ihrer Mitglieder so umgehen, dass unterschiedliche Traditionslinien und katholische Identitäten fruchtbar zusammengeführt werden.

Im zweiten Teilprojekt analysiert Franziska Seidler sich dafür, wie sich die Rolle von Seelsorgern vor allem in zentralafrikanischen Ländern verändert: Was sind die Motivationen? Wie verändern sich Ausbildungskonzepte? Und wie sieht die Seelsorgepraxis aus?

Im dritten Teilprojekt fragt Anna-Maria Müller nach den Implikationen jener Theologien, die vor allem in den vergangenen Jahrzehnten im polyreligiösen Kontext Indiens wuchsen. Welches Potenzial bergen sie für die Rede von Gott angesichts des Endes der abendländischen Deutungshoheit in philosophischen Fragestellungen und im Wissen um das Gewaltpotenzial von Religionen weit über die katholische Kirche und sogar das Christentum hinaus?
 

Maria Herrmann

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Perspektiven einer Mission-Shaped Church zur Entwicklung einer Prophetischen Grammatik im Diskurs kontextueller Ekklesiogenesen

Diese praktisch-theologische Arbeit widmet sich einer römisch-katholischen Ekklesiologie im Spannungsfeld komplexer (und bisweilen chaotischer) Anforderungen an das System, die Organisation und die theologischen Entität Kirche. Im Zusammenspiel von Komplexität, Mission und Ekklesiologie wird ein Framework missionaler Kirchenentwicklung entworfen, das auch von ökumenischen Perspektiven profitiert.

 

Am Beginn steht die Darstellung der theologischen, insbesondere ekklesiologischen Bedeutung von Komplexität und Chaos. Komplexe und chaotische Räume im Spannungsfeld von missionstheologischen Aspekten werden als Ort der Prophetie und Innovation identifiziert. Darauf folgt eine Auseinandersetzung mit den Fresh Expressions of Church als Beispiel für ein bewusstes missionarisches Handeln eines kirchlichen Systems in komplexen Zusammenhängen. Ausgehend von ihrem Kontext, ihrer Dynamik und Kritik innerhalb der Church of England und darüber hinaus, werden Kernfunktionen und Grundmomente der Bewegung herausgearbeitet. Diese werden in einem Zusammenhang gebracht mit den vorhergehenden Erkenntnissen aus der Komplexitätsforschung und in einer theologischen Deutung des Cynefin Frameworks zu einem Instrument zur Handlungs- und Entscheidungsorientierung in Prozessen regenerativer und missionaler Kirchenentwicklung. Die Arbeit schließt in Bezugnahme zu den erarbeiteten Erkenntnissen mit einer biblischen Deutung der Darstellung einer »neuen Welt Gottes« in Offb 21.

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