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Nachruf auf Charles H. Lohr SJ

Nachruf auf Charles H. Lohr SJ

In den frühen Morgenstunden des 21. Juni 2015, kurz vor Vollendung seines 90. Lebensjahres, ist der international bekannte Mediävist Charles H. Lohr in seiner Heimatstadt New York gestorben, wo er am 24. Juni 1925 geboren war. Als junger Jesuit wurde er vom Ruf des Raimundus-Lullus-Institutes und seines Gründers Friedrich Stegmüller nach Freiburg gelockt, wo er – auch als Radsportler bekannt – eine zweite Heimat fand. In seiner 1967 von der Phi-losophischen Fakultät der Universität Freiburg angenommenen Dissertation beschäftigte er sich mit der Beziehung des mallorquinischen Laientheologen Raimundus Lullus († 1316) zum Islam, einer Frage, die ihn nicht mehr losließ. Nach einem kurzen Intermezzo als Assistant bzw. Associate Professor an der Fordham University (1968–1972) wurde Lohr 1972 von der Theologischen Fakultät Freiburg für das Fach Theologiegeschichte habilitiert. Dieses Fach vertrat er hier seit 1974 als Universitätsdozent, seit 1976 als außerplanmäßiger Professor und schließlich ab 1978 als C3-Professor. Zweimal, 1976–1978 und 1989/1990, war er Dekan. 1980–1990 leitete er das Raimundus-Lullus-Institut. An der von diesem Institut herausgege-benen, mittlerweile auf 37 Bände angewachsenen, kritischen Edition der lateinischen Werke Lulls war er maßgeblich beteiligt. Einen zweiten Schwerpunkt seines wissenschaftlichen Werkes bildete der mittelalterliche und frühneuzeitliche Aristotelismus. Das fünfbändige Werk „Latin Aristotle Commentaries“ und die 15-bändige Reihe „Commentaria in Aristotelem Graeca“ legen davon beredtes Zeugnis ab. Die Maioricensis Schola Lullistica ernannte Lohr 1972 zum Magister. 1981 wurde ihm von der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg/Schweiz die Ehrendoktorwürde verliehen. Zum 70. Geburtstag erschien die sein Lebenswerk würdigende Festschrift „Aristotelica & Lulliana“. 2009 kehrte Lohr in seine Geburtsstadt zurück und verbrachte im Altersheim der Jesuiten an der Fordham University seinen Lebensabend.

Die Theologische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität und das Raimundus-Lullus-Institut gedenken seiner mit großer Dankbarkeit.

Prof. Dr. Dr. Markus Enders Prof. Dr. Peter Walter
Dekan der Theologischen Fakultät Ordinarius für Dogmatik Direktor des Raimundus-Lullus-Instituts

Der Trauergottesdienst findet am 26. Juni 2015 in New York statt. In Freiburg ist ein Gedenkgottesdienst geplant.

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