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Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2019/20

Vorlesung mit kolloquialen Elementen (M 5):
Einführung in die Religionsphilosophie


Prof. Dr. Dr. Markus Enders

Do., 10 Uhr c. t. bis 12 Uhr

KG I, Raum 1199

Nach einer allgemeinen Einführung in das grundlegende Selbstverständnis und die wichtigsten Methoden der Philosophie und der Religionsphilosophie als einer akademischen Disziplin soll zunächst ein kurzer Überblick über die Begriffsgeschichte von religio bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gegeben werden. Daran schließt sich eine systematische Erörterung der Schwierigkeiten und Notwendigkeit einer zumindest für alle theistischen Religionen verallgemeinerungsfähigen Definition von Religion sowie ein kurzer Überblick über die wichtigsten Definitionsparadigmen von Religion in der Religionswissenschaft und -philosophie vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart an, der mit einem eigenen Definitionsvorschlag abgeschlossen wird. Anschließend sollen wichtige Positionen religionsphilosophischen Denkens im 19. Jahrhundert vorgestellt werden: Die reine Vernunftreligion Immanuel Kants, das romantische Religionsverständnis Friedrich Schleiermachers (mit einem Exkurs zu dessen Wirkungsgeschichte bei Rudolph Otto) und Friedrich Schlegels, dann das idealistische Religionsverständnis Fichtes und Hegels (einschließlich seines Religionsbegriffs und seines Entwurfs einer absoluten Religion aus seinen späten Vorlesungen über die Philosophie der Religion von 1821 bis 1831). Des Weiteren sollen die maßgeblichen Vertreter der Religionskritik des 19. Jahrhunderts vorgestellt und kritisch beurteilt werden, und zwar die religionskritischen Positionen von Ludwig Feuerbach, Karl Marx und Friedrich Nietzsche. Im letzten Teil dieser Vorlesung soll möglichst noch ein kursorischer Überblick über einige Strömungen der Religionsphilosophie des 20. Jahrhunderts vermittelt werden.

 

Vorlesung mit kolloquialen Elementen (M 7):
Einführung in die Philosophische Gotteslehre 


Prof. Dr. Richard Schenk

Fr., 10 Uhr c. t. bis 12 Uhr

KG I, Raum 1016

Die Philosophische Gotteslehre entfaltet parallel zur biblischen und altkirchlichen Gotteslehre die philosophische Fragestellung nach Existenz und Wesen des Göttlichen von der Antike über das Mittelalter und die Neuzeit bis in die Gegenwart. Sie fragt, welchen Sinn es habe, von Gott zu reden, und wie man in Geschichte und Gegenwart die Möglichkeiten, Bedingungen und Grenzen der Gottesrede artikuliert. Dabei sollte die systematische Relevanz des Gottesbegriffs sowie der sog. Analogielehre berücksichtigt werden.

 

Seminar (M 0):
Was ist Liebe? Philosophische Perspektiven auf ein Phänomen der Anthropologie und Theologie mit einer Einführung in die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens


Karsten Koreck, Dipl.-Theol. Frank Schlesinger

Mi., 14 Uhr c. t. bis 16 Uhr

KG I, Raum 1139

Im alltäglichen Sprachgebrauch gibt es eine Vielzahl an Bedeutungen und Kontexte des Begriffs Liebe, welche die verschiedenen Bezüge dieses Phänomens zu Themen der Philosophie, Theologie und Anthropologie aufzeigen. Auch in religiösen Semantiken spielt die Liebe eine zentrale Rolle im Verhältnis des religiösen Menschen zu sich selbst, zu Gott, zu seinen Mitmenschen und zu seiner Umwelt. Darum gehört es auch zum Aufgabenfeld der Religionsphilosophie, einen allgemein verwendbaren und philosophisch haltbaren Begriff von Liebe zu erarbeiten und so die Liebe gegenüber anderen Phänomenen abzugrenzen.

Dieses Seminar will darum eine Einführung in die philosophische Behandlung des Phänomens der Liebe anhand ausgewählter Themenbereiche geben (der Liebesbegriff in seinen unterschiedlichen Ausgestaltungen am Beispiel ausgewählter philosophischer Positionen, die Liebe als Thema in der philosophischen Anthropologie, in der philosophischen Ethik und in der philosophischen Soziologie, die Liebes als Topos in der trinitarischen Ontologie) und damit eine Grundlage in begrifflicher und historischer Hinsicht für das weitere Theologiestudium schaffen. Zugleich soll das Seminar in die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens einführen (Erstellen von Referaten, Seminarkultur, Literaturrecherche, Erstellen eines Essays und einer Hausarbeit, Zitieren und Bibliographieren).

 

Blockseminar/Interdisziplinäres Hauptseminar (M 15/M 23):
»Der Aufbau des Seins« – eine Einführung in das philosophische Denken und die Grundlegung seiner Disziplinen durch den deutsch-ungarischen Philosophen Béla von Brandenstein (1901–1989)


Prof. Dr. Dr. Markus Enders, Dr. Dr. Boris Wandruszka

Vorbesprechung:
Do., 31.10.2019, 13 Uhr c. t. bis 14 Uhr, KG I, Raum 1139

Blocksitzungen:
Fr., 17.1.2019, 15 Uhr s. t. bis 20 Uhr, KG I, Raum 1134
Sa., 18.1.2019, 10 Uhr s. t. bis 18 Uhr, KG I, Raum 1134 

Der heute zu Unrecht fast in Vergessenheit geratene deutsch-ungarische Philosoph Béla von Brandenstein (1901–1989) ist einer der bedeutendsten Vertreter eines streng (geistes‑)wissenschaftlichen Denkens und zugleich eines christlichen Humanismus in der Philosophie des 20. Jahrhunderts.

In seiner umfassenden Grundlegung der Philosophie hat Béla von Brandenstein die Philosophie als eine Grund- und Universalwissenschaft neu begründet und dabei die triadische Grundstruktur allen Seins aufgedeckt, die ihm als Bezugspunkt für das »pyramidale Ganze« einer begrenzten Anzahl von aufeinander aufbauenden philosophischen Grundwissenschaften dient: An deren erster Stelle steht die Seinslehre (Ontologie) mit ihrem Aufweis der drei Urgründe bzw. Strukturgrundmomente alles Seienden überhaupt: Des Daseins (Existenz) des singulären, mit seiner konkreten Qualität gefüllten Gehalts, des Soseins (Wassein) des inneren Formwesens und des Inseins (Einheits- und Größensein) der quantitativen Gestalt jedes Seienden. Diesen drei Grundmomenten des Seins entsprechen die drei ontologischen Grundwissenschaften der Gehalts- oder Qualitätslehre (Totik), der Formen- bzw. Zusammenhangslehre (Logik im Sinne einer Seinslogik) und der Gestaltungs- bzw. Quantitätslehre (philosophische Mathematik). Diese drei ontologischen Grundwissenschaften werden weitergeführt in der philosophischen Wirklichkeitslehre (Metaphysik), weil auf der geistigen Wirklichkeitsstufe der Gehalt als Wille bzw. als Handlungsvermögen, die Form als Verstand und Vernunft und damit als Erkenntnisvermögen und die Gestaltung als Gefühl, d. h. als Gestaltungs-, Bindungs- und Erfüllungsvermögen, in Erscheinung tritt. Deren jeweilige Grundwissenschaft sind daher die Tatlehre (Pragmatik), die Wissenschaftslehre (Theoretik) und die Kunstlehre (Poietik), die ihrerseits in der metaphysisch begründeten Lebenslehre (Ethik) zusammengeführt werden, die alles Wirkliche unter dem Aspekt seiner Werthaftigkeit bestimmt. In Bezug auf die Subjekte ist die Ethik die Lehre von den Werthaltungen (Tugenden), in Bezug auf die gegenständlichen Wirklichkeiten ist sie die Lehre von den ontischen Gütern. Die den Kanon der philosophischen Disziplinen abschließende Religionsphilosophie ist sowohl philosophische Theologie des inneren, trinitarischen Lebens Gottes als auch seines triadischen Wirkens in den drei kosmischen Geschichtsepochen der Schöpfung, Erlösung und Heiligung.

In diesen imponierenden Gesamtentwurf vom »Aufbau des Seins« soll in diesem Seminar anhand der gleichnamigen Schrift Béla von Brandensteins zumindest in seinen Grundzügen eingeführt werden.

 

Blockseminar/Interdisziplinäres Hauptseminar (M 15/M 23/EPG 2):
Gabe, die zur Gebung durchbricht … Phänomenologische, ethische und theologische Aspekte der Philosophie der Gabe und der Gebung des französischen Religionsphilosophen Jean-Luc Marion


Prof. Dr. Dr. Markus Enders, Univ.-Doz. Dr. Rolf Kühn, Dr. Thomas Alferi

Vorbesprechung und Referatsvergabe:
Do., 24.10.2019, 13 Uhr c. t. bis 14 Uhr, KG I, Raum 1231

Blocksitzungen:
Fr., 10.1.2020, 15 Uhr s. t. bis 19 Uhr, KG I, Raum 1132
Sa., 11.1.2020, 10 Uhr s. t. bis 18 Uhr, KG I, Raum 1132

Jean-Luc Marion (* 1946) gilt seit mehr als zwanzig Jahren als einer der wichtigsten zeitgenössischen Philosophen Frankreichs. Die theologischen und phänomenologischen Studien des heute noch in Chicago lehrenden Denkers wurden weltweit breit rezipiert und sind in den letzten zehn Jahren daher auch dem deutschen Sprachraum durch Übersetzungen zugänglich gemacht worden.

Auf dieser Textbasis will das Seminar Marions fundamentale Beobachtung analysieren, Wirklichkeit erschließe sich als Gabe (don), die auf eine universale Gebung, d. h. ein Gabegeschehen (donation), zurückzuführen sei. Von besonderem Interesse wird dabei sein, dass Marion diese Einsicht zunächst vor allem mit Blick auf biblisch-patristische Texte sowie auf die spezifische Dynamik sakramentaler Vollzüge entwickelte, die er vor dem Hintergrund der Forderung des späten Heidegger, eine ontotheologische Denkhaltung abzulegen (vgl. Heidegger, Identität und Differenz), auf neue Weise interpretierte. Dass die Rede von Gabe und Gebung aber auch nach einer Revision der phänomenologischen Philosophie verlangt, erweist Marion in zahlreichen Einzelstudien an den Texten Husserls und Heideggers, wobei er den Vorwurf, damit einer »theologischen Wende der Phänomenologie« (Janicaud) zuzuarbeiten, mit scharfem Blick auf das Phänomen, das sich ja »von sich selbst her zeigen« und damit »geben« will, entkräftet. Nach einer Behandlung der angedeuteten thematischen Aspekte will das Seminar schließlich jenen Themenkreis des Marion’schen Schaffens beleuchten, mit dem der Philosoph seine Analysen zur Gabe auf ein sozialphilosophisches Niveau hebt und die von M. Mauss u. a. herausgestellte Gabe zur Beschreibung dessen, was Gesellschaften zusammenhält, ganz in die universale Gebung des Wirklichen einzuschreiben versucht. Hier eröffnet sich in der Tat ein zentrales Spektrum an neuen Sichtweisen auf vor allem ethische und handlungstheoretische Perspektiven des Gabe-Geschehens, wie sie u. a. in den Begriffen Opfer, Verzeihung, Vergebung und Eros aufscheinen.

 

Forschungskolloquium/Fachbezogenes Magistranten- und Doktorandenkolloquium


Prof. Dr. Dr. Markus Enders

Vorbesprechung:
Do., 7.11.2019, 13 Uhr c. t. bis 14 Uhr, KG I, Raum 1360

Blocksitzungen:
Fr., 31.1.2020, 15 Uhr s. t. bis 20 Uhr, KG I, Raum 1360
Sa., 1.2.2020, 10 Uhr s. t. bis 18 Uhr, KG I, Raum 1360

Die Magistrantinnen und Magistranten sowie die Doktorandinnen und Doktoranden von Prof. Enders sind eingeladen und gebeten, an diesem Kolloquium teilzunehmen, bei dem sie die Gelegenheit haben, ihr jeweiliges Projekt bzw. Teile oder Aspekte desselben vorzustellen und zur gemeinsamen Diskussion zu stellen.

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