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Geschichte der Theologischen Fakultät

Die Katholisch-Theologische Fakultät besteht seit der Gründung der Universität Freiburg im Jahre 1457. Eine erste bedeutsame Phase erreichte sie zu Ende des 15. und Beginn des 16. Jahrhunderts, als berühmte Studierende und Lehrer wie der spätere Straßburger Münsterprediger und Reformer Geiler von Kaysersberg, der Elsässer Franziskaner und Dichter Thomas Murner sowie Johannes Eck, einer der profilierten Theologen der Gegenreformation, ihr angehörten. Die bedeutendste Persönlichkeit, die ab 1529 zu ihr zählte, obwohl sie nie Vorlesungen hielt, war Erasmus von Rotterdam, der führende Bibelhumanist nördlich der Alpen. Als vorderösterreichische Landesuniversität blieb Freiburg in der Reformationszeit katholisch. Seit 1586 war die Theologie im Zuge einer Reform in vier Fächer geteilt: Exegese, Dogmatik, Moral- und Kontroverstheologie.

Das Jahr 1620 brachte einen tiefgreifenden Einschnitt im Wissenschaftsbetrieb und der institutionellen Ausstattung. Zu diesem Zeitpunkt kamen die Jesuiten nach Freiburg und besetzten bis auf wenige Ausnahmen die Lehrstühle. Bis zur Aufhebung des Ordens 1773 stellten die Jesuiten das Gros des Lehrpersonals. Fast zeitgleich mit dem Weggang der Patres änderte sich die Theologie im Zuge der Reformen unter Kaiserin Maria Theresia und ihrem Sohn Joseph II. grundlegend. Die neuen Konzeptionen betonten die exegetisch-historischen Fächer und die biblischen Sprachen, etablierten als eigene Fächer die Kirchengeschichte sowie die Pastoraltheologie und modernisierten das Studium.

Weitere Veränderungen standen an, als 1805 der vorderösterreichische Breisgau und damit die Universität Freiburg an das neugegründete Großherzogtum Baden fiel. Jahre der finanziellen Unsicherheit, die bis 1820 dauerten, bedrohten generell die Universität. Eine Erweiterung des Lehrkörpers bedeutete aber 1807 die Transferierung von drei Professoren nach Freiburg, die bisher an der katholischen Abteilung in Heidelberg gelehrt hatten. Ab 1827, der Gründung des Erzbistums Freiburg, war die Fakultät auch der Ort, wo die neue Diözese ihre Priester akademisch ausbilden ließ. Im Zuge einer Ausdifferenzierung des theologischen Studiums wurden nach und nach neue Lehrstühle gegründet. Die Exegese teilte sich deutlicher in das Alteund das Neue Testament, ab 1868 bot die Theologische Fakultät das bis dahin bei den Juristen gelesene Kirchenrecht an, dem 1870 ein eigener Lehrstuhl folgte. 1916 entstand der in Deutschland singuläre Lehrstuhl für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte; 1925 wurde das ebenfalls einmalige Institut für Caritaswissenschaft eingerichtet. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft kam es zu Zwangspensionierung bzw. zum Entzug der Lehrbefugnis dreier Professoren, 1939 mit Kriegsbeginn zu einer kurzfristigen Schließung der Fakultät; aber als ganze blieb sie erhalten. Der wissenschaftliche Differenzierungsprozeß entwickelte sich weiter und führte wie in anderen Fakultäten zu Neugründungen von Lehrstühlen bzw. Umwidmungen, z.B. in der Dogmatik schon im 19. Jahrhundert, in der Pastoraltheologie 1981 und in der Kirchengeschichte 1974. Nach 1945 etablierten sich Lehrstühle für Religionsgeschichte, christliche Religionsphilosophie und christliche Gesellschaftslehre. Dazu traten noch das 1957 gegründete Raimundus-Lullus-Institut für Quellenkunde der Theologie des Mittelalters sowie in Ablösung eines Instituts für religiöse Volkskunde die 1995 gegründete Arbeitseinheit für Frömmigkeitsgeschichte und kirchliche Landesgeschichte.

Das wissenschaftliche Leben war bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts von der Spätaufklärung und dem Einfluß des ehemaligen Konstanzer Generalvikars Ignaz Heinrich von Wessenberg bestimmt. In Engelbert Klüpfel (+1811) besaß Freiburg einen führenden Dogmatiker der gemäßigten Aufklärung, mit Leonhard Hug (+1846) einen für die katholische Exegese bahnbrechenden Vertreter der neutestamentlichen Textgeschichte und -kritik. Ferdinand Wanker (+1824) lehrte als einflußreicher spätaufgeklärter Moraltheologe. Mit Johann Baptist Hirscher (+1865) und Franz Anton Staudenmaier (+1856) konnte die Fakultät 1837 zwei der profiliertesten Wissenschaftler ihrer Zeit als akademische Lehrer gewinnen, die weit über eine noch der Aufklärung verpflichteten Theologie hinauswiesen. Staudenmaier entwickelte originelle Ideen für eine zeitgenössische und moderne Dogmatik; Hirscher dozierte Moral- und Religionswissenschaft, war ökumenisch offen sowie politisch als Abgeordneter im Badener Parlament und kirchenpolitisch als scharfsinniger Analytiker seiner Zeit engagiert. Er setzte neue Maßstäbe in der Katechetik, Moraltheologie und Liturgik durch seinen von der Reich-Gottes-Idee bestimmten theologischen Ansatz. Mit Franz Xaver Kraus (+1901) kam 1878 ein Vertreter des liberalen Katholizismus nach Freiburg. Kraus vermittelte wichtige Impulse für die Fortentwicklung der Kirchengeschichte, errichtete in Deutschland die Christliche Archäologie und Kunstgeschichte als akademisches Fach und stiftete 1900 testamentarisch das entsprechende Institut. Joseph Sauer (+1949) wurde 1916 erster Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte.

Eine Reihe herausragender Lehrer festigte im Laufe der nächsten Jahrzehnte den Ruf der Fakultät. Unter ihnen sei Bernhard Welte (+1983) genannt, der sich um die Integration neuer philosophischer Ansätze (Phänomenologie) in eine zeitgemäße Religionsphilosophie bemühte und von 1952 - 1973 eine weit über Freiburg hinausgehende Wirkung entfaltete. Exegeten wie Alfons Deissler (+2005) und Anton Vögtle (+1996) trugen dazu bei, die kritische Erforschung der Schrift entscheidend voranzutreiben. Bedingt durch die Entwicklungen innerhalb von Kirche und Gesellschaft bildet die Fakultät längst nicht mehr nur Priesteramtskandidaten und Gymnasiallehrer aus, sondern auch Diplomtheologen und -theologinnen. Das Caritasdiplom ermöglicht zudem eine Zusatzqualifikation, die genannten Institute und Einrichtungen bieten die Chance, durch die Vielfalt ihres Angebotes gezielt Spezialstudien in Freiburg zu betreiben.

Prof. Dr. Heribert Smolinsky

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